
(c) Stefan Pajman, Kleine Zeitung
Aussensicht
Zwei Mal Mehrwert ergibt Wertloses
Herwig Ertl über den Wohlstand, der uns blind macht, und wirkliche Nachhaltigkeit.
Manchmal bringt es der Volksmund auf den Punkt: „Wenn man dir gibt, dann nimm, wenn man dir nimmt, dann schrei!“ Und wir haben bekommen, haben genommen und sind zu einer Ich-Gesellschaft geworden. Motto: Wenn du mir, dann ich dir, eine Hand wäscht die andere. Das ist Politik, hat man mir gesagt, das müsse ich verstehen. Doch dieses Denken können wir uns nicht mehr leisten. Der Wohlstand hat uns blind gemacht. Alles muss immer mehr werden, und wir sehen nicht, was wir dabei verlieren. Nicht zuletzt den Bezug zu den Wurzeln. Zu jenen, die produktive Arbeit leisten, effizient, innovativ und mit viel Wissen. Das Resultat: Gesetze werden beschlossen, die ausgrenzen, die kaum umsetzbar sind, am Ende außer Kosten nichts bringen und das abschaffen, was wir in diesen Zeiten mehr denn je brauchen: Herzkraft und die Begegnung. Es ist kühl geworden. Der zusätzliche bürokratische Arbeitsaufwand frisst Energie und Zeit. Ja, der Online-Umsatz steigt, doch dafür brauche ich bald keine Mitarbeiterinnen, keine Edelgreißlerei mehr, nur einen Computer und ein Lager. So stirbt ein Ort, so verliert eine Region ihre Perspektive.
Nachhaltig wäre eine Senkung der Mehrwertsteuer auf alle Lebensmittel, doch keine Rabatte und Aktionen auf Alkohol.
Zwei unterschiedliche Mehrwertsteuersätze auf österreichische Lebensmittel, auf jene vom Nachbarn jenseits der Grenze den höheren der beiden. Ob die Produkte gesund sind, spielt keine Rolle. „Wichtig“ sollen sie sein. Für die regionalen Nahversorger heißt das neue Waagen, aufwändiges Umprogrammieren, womöglich neue Scannerkassen. Der Steuerberater schüttelt den Kopf, die Wirtschaftskammer ebenso. Wofür haben wir Experten, Wissende, wenn man ihr Wissen nicht annimmt? Wirklich nachhaltig für die Gesellschaft wäre eine Senkung der Mehrwertsteuer auf alle Lebensmittel, doch keine Rabatte und Aktionen auf Alkohol. Dann würden wir diese Differenz aus der Gesundheitskasse finanzieren. Ich gönne jedem sein Bier von Herzen. Doch zu überlegen wäre dieser Ansatz schon.
Herwig Ertl
ist Edelgreißler aus Kötschach-Mauthen
Kleine Zeitung vom 21.02.2026
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